der Großen Wasser

Es interessiert mich nicht …

Herbstspaziergang am Tankumsee

 


Ich will wissen, …

Diese Worte von Oriah Mountain Dreamer aus dem Jahr 1994 bringen auf den Punkt, was manchmal so wichtig erscheint und doch in sich zusammenfällt, wenn es im Leben plötzlich ernst wird.

 

Die Einladung

Es ist mir egal, was du für deinen Lebensunterhalt tust,
ich will wissen, wonach du dich sehnst
und ob du dich traust, den Sehnsüchten deines Herzens zu begegnen.

Es ist mir egal, wie alt du bist.
Ich will wissen, ob du dich traust, wie ein Dummkopf dazustehen
für die Liebe,
für deinen Traum,
für das Abenteuer, lebendig zu sein.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten mit deinem Mond
in Einklang stehen.
Ich will wissen, ob du das Zentrum deines eigenen Schmerzes  berührt hast,
ob du geöffnet wurdest durch die Betrügereien des Lebens
oder ob du unruhig und verschlossen wurdest aus Furcht vor weiterem Schmerz.
Ich will wissen, ob du mit deinem Schmerz dasitzen kannst,
meinem und deinem eigenen,
ohne den Versuch, ihn zu verbergen
oder ihn zu leugnen,
oder ihn festzuhalten.

Ich will wissen, ob du Freunde haben kannst,
meine und deine eigene,
und ob du mit Wildheit tanzen kannst;
ob du dich bis zu den Fingerspitzen und Zehen mit Ausgelassenheit füllen kannst,
ohne uns zu ermahnen, vorsichtig zu sein, realistisch zu sein
und uns an die Grenzen des menschlichen Daseins zu erinnern.

Ich interessiere mich nicht, ob die Geschichte,
die du mir erzählst, wahr ist.
Ich will wissen, ob du dein Gegenüber enttäuschen kannst,
um deine Ehrlichkeit nicht zu verlieren,
ob du die Anschuldigung des Verrats ertragen kannst
und nicht deine eigene Seele verrätst;
ob du ungläubig sein kannst und dafür vertrauenswürdig.

Ich will wissen, ob du Schönheit sogar dann sehen kannst,
wenn etwas nicht jeden Tag schön ist,
und ob du den Ursprung deines Lebens kennst.

Ich will wissen, ob du mit Fehlern leben kannst,
mit deinen und mit meinen,
und ob du noch am Rand des Sees stehen kannst,
und „Ja“ schreiben kannst zur silbrigen Scheide des Vollmondes.

Es ist gleich, wo du lebst oder wie viel Geld du hast.
Ich will wissen, ob du aufstehen kannst nach einer Nacht
voller Trauer und Verzweiflung,
erschlagen und erschöpft bis auf die Knochen
und tun kannst, was nötig ist, um die Kinder zu versorgen.

Es interessiert mich nicht, wen du kennst
oder wie du hierher kamst.
Ich will wissen, ob du in der Mitte des Feuers mit mir stehen
und nicht zurückschrecken wirst.

Es interessiert mich nicht, wo oder was du oder mit wem du studiert hast.
Ich will wissen, was dich von innen aufrechterhält, wenn alles andere wegfällt.
Ich will wissen, ob du mit dir allein sein kannst
und ob du deine Gesellschaft erträgst,
im Moment deiner größten Einsamkeit.

Oriah Mountain Dreamer Mai 1994

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